Im Herzen des Kulturkomplexes, in dem sich heute die Stadtbibliothek Ramon Bosch de Noya befindet, bietet der ehemalige Kreuzgang einen der überraschendsten — und gleichzeitig unbekanntesten — Kulturerbestätten von Sant Sadurní d'Anoia. Obwohl in der städtischen Dokumentation die Herkunft nicht genau beschrieben wird, erinnert ihre Typologie an die kleinen Hinterhöfe der Penedesco-Bauernhäuser aus dem 19. Jahrhundert: ein geschlossener rechteckiger Boden, umgeben von einer Galerie aus Steinsäulen, die abgesenkte Bögen tragen und die im Obergeschoss einem Korridor mit schmiedeeisernem Geländer weichen. Dieser Innenhof war das Rückgrat der alten Schule der Karmelitinnen, ein Gebäude, das nach mehreren Erweiterungen und Reformen in die 1996 eingeweihte öffentliche Bibliothek umgewandelt wurde.
Architektonisch ist im Kreuzgang der ursprüngliche Steinestrich an den Kapitellen und Fundamenten erhalten geblieben, auf dem noch kleine Feuersteinspuren zu lesen sind. Das Pflaster besteht aus Terrakottaplatten, die in einem Fischgrätmuster angebracht sind und in der Mitte durch einen heute verblendeten, aber immer noch sichtbaren Schlitz entwässert werden. Auf der Südseite verbindet eine imperiale Treppe direkt mit der Zeitungsbibliothek im edlen Stockwerk; im Westen verbindet ein großes Rundbogenfenster das Kinderzimmer und schafft so einen Dialog zwischen der Stille beim Lesen und dem Zenitlicht, das den Innenhof durchflutet.
Seit der Renovierung im Jahr 2012 ist der Kreuzgang zu einem Mehrzweckraum für Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen geworden. Während der Messen und Festivals wird hier einer der intimsten Abschnitte des Programms gefeiert: Bildausstellungen wie „El que enigoro“ von Clàudia Carbó (5.-28. September 2025) oder Gemeinschaftsinstallationen, die die Nachbarn zum Dialog mit der Kunst einladen. Es gibt auch Buchpräsentationen, Konzerte im Kleinformat und Workshops für Kinder, bei denen die Frische der Veranda und der herrliche natürliche Klang des Veranstaltungsortes genutzt werden.
Die Integration moderner Elemente — LED-Einbaubeleuchtung, barrierefreie Zugänge für Personen mit eingeschränkter Mobilität und ein Kabelverdeckungssystem — wurde mit großem Respekt vor dem ursprünglichen Erscheinungsbild vorgenommen. Eine kleine Gedenktafel erinnert an die Schenkung der Familie Bosch de Noya, lokale Mäzene mit einer langen Tradition, dank derer die Musealisierung des Raums abgeschlossen wurde.
Wer heute den Kreuzgang besucht, trifft auf die Ruhe eines schattigen Innenhofs, der zwar kein großes Denkmal ist, aber das tägliche Gedächtnis von Generationen von Schülern und Lesern aus Sadurninac bewahrt. Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie das bescheidene Erbe, das gut gepflegt und der Öffentlichkeit zugänglich ist, zu einem Motor kultureller Vitalität und zum Treffpunkt des Viertels werden kann, ohne den halb klösterlichen, halb zivilen Charme zu verlieren, den ihm die ruhige Architektur verleiht.